„Vorwiegend bei schönem Wetter erfolgt das abendliche, gesellige Aufsteigen unter Ausnutzung von Aufwinden über den wärmeren Luftschichten. Die Nacht verbringen die Segler in Höhen zwischen 400 und 3.600 Metern, einzeln oder in Schwärmen und sind meist stumm. Dabei schlagen sie gelegentlich mit den Flügeln, allerdings in langsamerer Frequenz als tagsüber. Offenbar versuchen die Vögel möglichst stationär zu bleiben und fliegen vergleichsweise langsam gegen den Wind, so dass sie bei stärkeren Winden sogar rückwärtig abgetrieben werden und morgens zurückfliegen müssen, um wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen. Unklar ist, wie sich Mauersegler nachts erholen (…). Man vermutet einen Halbschlaf ähnlich dem bei Walen oder Delfinen.

(…) Selbst für einen so gut an das Leben in der Luft angepassten Vogel stellt die Übernachtung im Flug einen beträchtlichen energetischen Mehraufwand gegenüber der Nächtigung am Boden dar.

(…)Besonders auffallend sind die nur bei gutem Wetter vorwiegend abends zu sehenden sozialen Flugspiele, die sogenannten „Screaming Parties“, die von lauten Rufen begleitet sind. Dabei bilden die Vögel einen mehr oder weniger geschlossenen Schwarm, der zeitweilig in großer Höhe kreist und wiederholt mit rasanter Geschwindigkeit dicht an den Nistplätzen vorbeifliegt. Daran beteiligen sich alle Vögel der Kolonie, auch die Brutvögel und im Spätsommer die flüggen Jungen. Bei diesen Flugspielen sind sehr komplexe Flugmanöver zu sehen, teilweise erinnern diese an die Balzflüge. Auf die „Screaming Parties“ folgt oft unmittelbar das Aufsteigen zur Nächtigung in der Luft.“ *

* https://de.wikipedia.org/wiki/Mauersegler

Der ganze Fortschritt des Wissens ist nichts anderes als ein schrittweise vorgenommener Verzicht auf die Einfachheit der Welt. Der Mensch möchte, dass alles einfach ist, auch wenn es zugleich geheimnisvoll sein soll.

Stanislaw Lem

Die Vorteile der Stadt

Es ist Winter. Ich spaziere durch den Friedrichshain. Die Wege sind vereist, ich muß bei jedem Schritt aufpassen, daß ich nicht wegrutsche. Ein Hund zieht Kinder üŸber das Eis eines zugefrorenen TüŸmpels. Auf dem Weg nach Hause beginnt der Berufsverkehr. An einer Baustelle benutzen sie ausnahmsweise nicht die blinkenden Akkulampen, sondern in der DäŠmmerung tiefrot dauerleuchtende Kellerlampen. Ich fŸühle mich gleich wie im Ausland. Aha, so einfach ist das.

Wenn es langsam dunkel wird, legt der sogenannte Berufsverkehr seinen LŠärmteppich üŸber die Stadt. Diese ungeduldige Szene hat etwas Brutales, es ist ein Wettrennen nach Hause. Wer bekommt die letzten ParkplŠätze, wann kann ich endlich mein Bier trinken, scheiße, jetzt muß ich mich auch noch um die Kinder kŸümmern. Und dieser verendende Tag der BerufstäŠtigen, die sich auf ihre Ohnmacht vor den FernsehgeräŠten freuen, fŠällt blöšderweise zusammen mit der sanft dahinscheidenden Helligkeit. Dieser Vorgang des Dunkelwerdens häŠtte gerade eine besondere Ruhe verdient. Ich ertappe mich, wie ich mit einem hoffnungsvollen GefüŸhl an die steigende Arbeitslosigkeit denke und an die langsame Auflšösung fester Arbeitszeiten. Und dann denke ich darüŸber nach, wie die Vorteile des gedrŠängten Zusammenlebens in einer Stadt die Nachteile üŸbertrumpft haben mšögen, wie sie das nur geschafft haben, aber mir fäŠllt auch gleich diese Faszination ein, der ich selbst erlegen bin, obwohl es mich oft genug hinauszieht in weite Landschaft, aber ohne reine NadelwŠälder.