Wir stehen darüber

Was sind das alles für Idioten! Habt ihr die gesehen? Hamsterer, Partyfeierer, Annieser. Egomanen allesamt. Unsoziales, panisches Gebrumm.

Zum Glück sind wir so anders. Zum Glück gibt es solche wie uns. Wir haben verstanden. Durch unsere instinktive Moral gehen wir voran und erleuchten diskret den Weg für alle. Deshalb, und nur deshalb, können wir uns auch kleine Abweichungen erlauben. Wie lächerlich wäre es, wenn wir, die das Große im Blick haben, uns pedantisch und kleinlich verhielten?

Wir bleiben entspannt.

Auf dem Land ist es vielen zu grün

Man kann und sollte »Bündnis 90/Die Grünen« viel vorwerfen. Zum Beispiel, dass das Erbe der ehemaligen Ex- und vormaligen Bürgerbewegung im ersten Teil des Namens völlig vergessen ist. Oder dass sie es sich allzu bequem im Gesättigten machen. Aber was sie ganz sicher nicht gemacht haben, ist, der »Ackerunke« (Acke-Runke? Acker-Unke!) Millionen von Euro zu geben, wie ich es neulich auf einem Transparent in einem Brandenburger Dorf las. Die Grünen wurden zwar nicht erwähnt, aber  sie schwangen sozusagen mit. Wie oft hört man auf dem Lande herrlich gruselige Geschichten über die Grünen! Daneben stand übrigens: „…aber kein Geld für Kinder“, was ich ebenso bedauerlich finde wie die Transparentmaler. Nichtsdestotrotz fand ich im gesamten Internet keine Ackerunke, was vielleicht daran liegt, dass sie nicht im Internet lebt, sondern vermutlich auf dem Acker. Wobei auf diesen totgespritzten Äckern, die um eben jenes Dorf herum zu finden sind, bestimmt keine Unke überlebt hat. Und die Ackerunke erst recht nicht, denn sie existiert ja ohnehin nicht. Und selbst wenn wir sie uns jetzt vorstellen, wie sie fett auf dem Acker sitzt, wer hat ihr wann und wo und warum diese Millionen gegeben? Ich bitte um Aufklärung!
Machmal glaube ich, viele Leute vom Land können nicht glauben, dass die Natur bedroht sei. Das liegt vielleicht daran, dass sie Menge, Macht und Weite der Natur noch ganz anders spüren als die Städter. Und mit der Natur gröber umgehen müssen, um zurecht zu kommen.

Pazifismus

Es gab so viele Ausreden, um Gewalt zu rechtfertigen, dass mir der Pazifismus als Prinzip unerlässlich erscheint. Denn erst, wenn man jemanden um keinen Preis töten darf, kann Buddha nicht mehr aus Mitleid mit dem Kharma des Attentäters denselben töten.

nackt, obszön, Scham

Manche Menschen sehen in ihrer Besonderheit geradezu obszön aus. Sie haben ein derart spezielles Gesicht, dass es mich anspringt, dass es sich voll vor mir ausbreitet, ganz nackt. Ich kann das Gesicht schön finden oder nicht, das ist egal. Der Effekt ist derselbe.

Wenn es dann auch noch Schauspieler sind, dann braucht es ja nicht sein, dass ich mich schäme, diese Besonderheit zu beglotzen. Die wollen das.

Bemerke ich immer, wenn ich auf einer Brücke stehe?

Keine Angst, Brücken als Zeichen, im übertragenen Sinne gebraucht, sind so langweilig wie Fenster in gleicher Rolle. Ich rede hier von echten Brücken.

So wie es Manchen als eine philosophische Frage erscheint, ob es sich um einen Tunnel oder eine Brücke handelt, wie beim Berliner Gleimtunnel (der eine Brücke ist), so sind viele Brücken unsichtbar. Ich bemerke sie nicht, weil sie sich so breit und flach strecken und das arme kleine Gewässer darunter unsichtbar werden lassen.

Von unten aber sind sie sehr wohl sichtbar. Monströs lümmeln sie die Umgebung kaputt, lehnen sich über die Landschaft, um sie zu verdecken.

Um die Landschaft und damit das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen, lohnt sich der Abstieg zu den Pfeilern dieser Brücken.